Der Mensch des Anthropozän ist im Begriff durch seine Aktivitäten das Weltklima erstmalig und unumkehrbar zu beeinflussen. Viele Wissenschaftler auf dem Planeten haben in der vergangenen Zeit einen Klimabericht erarbeitet um zu erforschen wie sich diese Einmischung in das Weltklima auswirken wird. Ao. Univ.-Prof. Karl Steininger vom Institut für Volkswirtschaftslehre, Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der KFU Graz stellte, beim Vortragsabend auf Einladung des Forum Glaube-Wissenschaft-Kunst (KA Steiermark), verständlich dar was in dem Bericht erforscht wurde und was dies für den Alpenraum bedeuten wird.

Das Internationale Panel on Climate Change (IPCC), im deutschen oft Weltklimarat bezeichnet, ist eine weltweit vernetzt Gruppe von Wissenschaftlern die für politische Entscheidungsträger regelmäßig den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammenträgt, ohne dabei jedoch zu verurteilen sowie Handlungsempfehlungen zu geben. In Anlehnung daran wurde in Österreich das „Austrian Panel on Climate Change“ (APCC) eingerichtet, welches den aktuellen Stand der Forschung zusammenträgt wie der Klimawandel Österreich verändert und noch verändern wird. Prof. Karl Steininger ging hauptsächlich auf den Bericht des IPCC und des APCC ein um zu zeigen welche lokalen Veränderungen in Österreich bzw. im Alpenraum schon geschehen sind bzw. noch kommen werden. Dazu später mehr in diesem Artikel.

Das Pariser Klimaabkommen

Im Pariser Klimaabkommen hat sich die Menschheit 2016 ein ambitioniertes Ziel gesetzt, und zwar die maximale globale Erwärmung durch vom Menschen erzeugten Ursachen von +1,5°C. Dies war laut Prof. Steininger insofern überraschend, da die bisherigen Ziele immer mit +2°C geplant waren. Die südlichen Länder, die aber aktuell schon deutlich und dem Temperaturanstieg leiden – Dürren, Überschwemmungen – pochten auf ein ambitionierteres Ziel und so wurden die +1,5°C festgelegt. Es gibt jedoch einige Wissenschaftler die der Meinung sind, dass die +1,5°C immer noch zu wenig sind um irreversible Kippsystem zu verhindern, welche, wenn einmal ausgelöst, das Erdklima in eine neue Heißzeit kippen lassen die dann für sehr lange Zeit eine um viele Grad höhere Durchschnittstemperatur bedeuten würde.

Welche globalen Auswirkungen auf die Menschheit sind zu erwarten?

Es wird durch die erhöhte Temperatur zu mehr Dürren und Überschwemmungen kommen. Es gibt Theorien von heißen trockenen Sommern und regenreichen aber schneearmen Wintern. Es wird das Meer verstärkt ansteigen und sich Land nehmen. Gefährdet sind hier laut Prof. Steininger vor allem die Küstenstädte. Weiters werden alle diese Geschehnisse Migration (Völkerwanderungen) auslösen. Dürren machen den Boden unfruchtbar und damit werden die Menschen gezwungen dorthin zu ziehen wo es fruchtbar ist und genug zu Leben gibt. Hier muss sich die Menschheit auf neue Konflikte und Kriege einstellen. Weiters wird durch die erhöhte Temperatur im Allgemeinen die Sterblichkeit (höhere Durchschnittstemepratur bedeutet kürzere Lebenserwartung?) zunehmen, wobei hier bis 2050 keine große Gefahr gesehen wird und für Auswirkungen danach kann noch keine vernünftige Studie durchgeführt werden.

Wie sieht es in Österreich aus?

Laut Prof. Steininger bedeutet das Pariser Abkommen von +1,5°C nicht, dass es überall ca. 1,5°C im Durchschnitt mehr haben wird, sondern dass das Global gilt. Laut APCC hat die mittlere Temperatur in Österreich seit 1880 um zirka 2°C zugenommen, aber global ist sie nur um +0,85°C gestiegen. Berücksichtig man dieses Wissen für zukünftige Berechnungen ergibt sich ein düsteres Bild, nämlich dass die Temperatur im Alpenraum weiterhin überdurchschnittlich steigen wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts ist beim aktuellen Wissensstand von +5,5°C auszugehen. Dadurch verändern sich auch die typischen Klimaerscheinungen über das Jahr. Eine Sache wurde besonders hervorgehoben, dass für Österreich zum Beispiel eine Abnahme der Niederschläge im Sommer (Dürrezeit) und eine deutliche Zunahme der Niederschläge (Überschwemmungen) im Winter zu beobachten ist.

Was können wir dagegen tun?

Laut dem Vortrag muss einmal erkannt werden, dass nur ein Anteil von etwa 25% Prozent der Menschheit wirklich etwas tun kann. Diese sind auch die Hauptverursacher der Treibhausgasse in der Atmosphäre und damit der Erwärmung des Planeten. Diese Erwärmung rührt übrigens daher, dass die Infrarotstrahlung nicht mehr so effektiv in das Weltall abstrahlen kann wie bei niedrigerer Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre. Für Österreich liegt die aktuelle Emission von Treibhausgasen derzeit bei ungefähr 77 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten. Die von Bhutan betragen 1,5 Millionen. Würde man das Ganze fair betrachten, sodass jeder Mensch gleich viel emittieren darf, dann müssten wir unsern Ausstoß um ca. 80% verringern und in Bhutan dürfte deutlich mehr erzeugt werden. Dadurch wird klar, dass nicht jeder etwas aktive beitragen kann zur Erreichung der Klimaziele, viele Menschen sind damit beschäftigt überhaupt zu überleben. Etwas was wir in unserem Überfluss gar nicht kennen.

Betrachtet man die Herausforderung die Treibhausgase bis 2050 um 80% zu reduzieren bzw. bis 2030 um 40% und bis 2060 um 60%, dann wird klar, dass das eine gewaltige Aufgabe wird. Und nur wenn diese erfolgreich absolviert wird, dann haben wir das Weltklima nur um +1,5°C erwärmt. Es gibt viele Wissenschaftler die sagen, dies ist machbar und auch leistbar. Es gibt aber auch Skeptiker die sagen, es ist schon zu spät und wenn jetzt so viel wie möglich getan wird dann werden wir dennoch eine Erwärmung von der globalen Durchschnittstemperatur von 4,5°C erreichen.

Was kann man selber dagegen tun?

Hier gilt es so wie schon für viele hinlänglich bekannt ist. So energiebewusst wie möglich Leben. Solarpaneele zur Stromerzeugung mit Speicherbatterien sind mittlerweile leistbar und reduzieren den externen Strombedarf für Wohnungen und Einfamilienhäuser auf ein Minimum. Keine sinnlosen Fahrten mit dem Auto, also alle Fahrten bis 2km kann man auf jeden Fall zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen. Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt, Urlaub mit der Bahn. Ein großer Punkt laut Prof. Steininger ist auch der Konsum von nicht saisonalen Gemüse und Früchten. Die „Erdbeeren“ und „Tomaten“ im Winter im Supermarkt haben eine schreckliche Treibhausemissionsgeschichte. Hier kann wirklich jeder selber ein wenig beitragen damit das Ziel von +1,5°C erreicht werden kann.

Zusammenfassung eines Vortrages von Ao. Univ.-Prof. Karl Steininger vom Institut für Volkswirtschaftslehre, Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der KFU Graz (vom 17. Okt. 2018). Dieser von mir verfasste Artikel ist vor einem Jahr beim Forum GWK erschienen und da mir das Thema wichtig ist habe ich ihn ein wenig überarbeitet jetzt auf meinen Blog gestellt. Wenn du mehr über das Forum GWK erfahren willst gehe auf www.forumgwk.at.